
Ausbildungsberatung: Neutrale und fachkundige Hilfe für alle Ausbildungsbetriebe und Auszubildende
Knapp 6.700 junge Menschen absolvieren aktuell eine Ausbildung im unterfränkischen Handwerk. Hinter dieser Zahl stehen 6.700 Persönlichkeiten und individuelle Ausbildungswege. Umfassende Unterstützung für Ausbildungsbetriebe und Auszubildende leisten die Ausbildungsberaterinnen und Ausbildungsberater der Handwerkskammer für Unterfranken, die vor, während und nach einer Ausbildung als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Im Interview stellt Barbara Hoffstadt, stv. Geschäftsbereichsleiterin Berufsbildung sowie Leiterin der Abteilung Ausbildung der Handwerkskammer für Unterfranken, das konkrete Unterstützungsangebot vor.
Die Ausbildungsberatung unterstützt in allen Fragen rund um die betriebliche Ausbildung. Was bedeutet das genau?
Das Team der Ausbildungsberatung ist in allen Regionen des Kammerbezirkes vor Ort. Die Kolleginnen und Kollegen beraten in persönlichen Gesprächen, telefonisch und per E-Mail. Wir decken dabei rechtliche, pädagogische und finanzielle Fragen ab. Zum Beispiel klären wir über die Rechte und Pflichten der Vertragsparteien oder die fachliche und zeitliche Gliederung einer Ausbildung auf. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Überwachung der Durchführung der Ausbildung in den Betrieben. Darüber hinaus fördern wir die Weiterentwicklung der betrieblichen Ausbildungsqualität, indem wir etwa Workshops für Ausbilderinnen und Ausbilder anbieten. Außerdem arbeiten wir eng mit verschiedenen Institutionen zusammen, um die duale Ausbildung im regionalen Handwerk zu fördern. So kooperieren wir mit Arbeitsagenturen und Migrationsbehörden, um Ausbildungsplätze für Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund zu schaffen.
Welche rechtlichen Rahmenbedingungen müssen Ausbildungsbetriebe kennen, und wie unterstützt die Ausbildungsberatung die Betriebe in diesem Bereich?
Der betrieblichen Ausbildung liegen eine Reihe von rechtlichen Vorschriften zugrunde wie das Berufsbildungsgesetz, das Jugendarbeitsschutzgesetz, die Handwerksordnung sowie berufsspezifische Ausbildungsordnungen und Ausbildungsrahmenpläne. In diesem komplexen rechtlichen Rahmen sind die Ausbildungsberater kompetente Ansprechpartner für die Ausbildungsbetriebe.
Was sind typische Fragestellungen, mit denen sich Ausbildungsbetriebe und Auszubildende während einer Ausbildung an Sie wenden?
Besonders häufig geht es hier um Fragen zur ordentlichen Führung des Berichtshefts, Meldepflichten bei Krankheit, Überstundenregelungen, Vergütung, Umgang mit Konflikten und Handynutzung, Ausbildungsdauer und Prüfungen sowie die Übernahme von Fahrkosten zur überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung.
Wie sieht Ihr Unterstützungsangebot für Auszubildende aus?
Natürlich können sich auch Auszubildende an die Ausbildungsberater wenden. Sie überwachen nicht nur die Durchführung der Berufsausbildung, sondern sind auch Ansprechpartner bei Problemen.
Wie können die Ausbildungsberaterinnen und -berater konkret bei Problemen in der Ausbildung helfen?
Treten Probleme im Betrieb oder in der Berufsschule auf, unterstützt das Team durch gezielte Konfliktberatung. Das heißt, die Ausbildungsberater setzen sich mit allen Beteiligten an einen runden Tisch, um interne Lösungen oder möglicherweise auch Alternativen, wie einen Betriebswechsel zu prüfen. Außerdem bieten wir Schulungen für das Ausbildungspersonal an und klären präventiv über mögliche Konflikte und deren Vermeidung auf. Sollte der Konflikt nicht beizulegen sein haben die Ausbildungsberater den Vorsitz beim Schlichtungsausschuss, welcher das Ziel verfolgt gütliche Lösungen zu finden und ein langwieriges und kostenintensives Klageverfahren zu um gehen.
Welche Themen beschäftigen Ausbildungsbetriebe aktuell besonders?
Hierzu zählt unter anderem die immer schwierigere Suche nach geeigneten Bewerberinnen und Bewerbern. In diesem Zusammenhang beschäftigen die Ausbildungsbetriebe auch das Qualifikationsniveau der Schulabgänger und damit verbunden Probleme in der Berufsschule. Auch die Integration von ausländischen Bewerbern ist aktuell ein wichtiges Thema, hier geht es beispielsweise um Fragen nach dem Sprachniveau ausländischer Auszubildender. In beiden Beispielen gibt es auch großen Bedarf an Unterstützungs- und Fördermöglichkeiten. Das Thema psychische Erkrankungen und Süchte spielt in vielen Gesprächen ebenfalls eine große Rolle. Auch hier unterstützen die Ausbildungsberater durch ihr Netzwerk und vermitteln an regionale Stellen, etwa die Koordinierungsstelle psychische Gesundheit, die bei der Don Bosco Berufsschule in Würzburg angesiedelt ist.